Üppig

Der Frühling kommt und wir erwachen aus dem Winterschlaf. Farben, Gerüche, sensitive Eindrücke verstärken sich.  In früheren Zeiten wurde den Naturerscheinungen (wie auch Ortsbeschreibungen und Personen) in Büchern mehr bildlicher Raum zu gemessen. Man konnte nicht davon ausgehen, dass der Leser weitgereist war oder sich in der beschriebenen Gesellschaftsschicht auskannte. Folgend einige Beispiele:

Stefan Zweig: eine duftende, sonnenbeglänzte Einsamkeit – Wärme war leicht schwülend – ihre Augen waren groß und wohl auch voll dunklen Lichtes – verblühte Mutter mit der blühenden Tochter – wie ein metallener Sarg, umschloss der Himmel die heiße Welt ….

Anna Maria Ortese: gelbliche Häufchen Schafe – süßsauerer Geruch der Tomaten – den Knochen eines vorsintflutlichen Tieres ähnlich, die in ein Wolkenmagazin gestopft sind – Stimmen wie Schmuckstücke – hellblaues Zwielicht …

Armin T. Wagner: dem verlöschenden Himmel – eine dunkelrote Kamelie, von tiefem, fast samtschwarzen Rot, das purpurn wie das offene Fleisch der Verwundeten glüht – ich wand mich unter der glühenden Sonne wie ein treibendes Blatt – meine Seele erbrach sich, wie ein überhungerter Magen …

Gerald Durrell: das Meer schien blauer zu sein, klarer und durchsichtiger, die Inseln entfernter, sonnengebadeter und verzauberter – silbrige Sandflecken – kleine schwarze Skorpione, glänzend poliert, als wären sie aus Bakelit – ein fetter kleiner Mann  mit kriecherischen Augen schweißglänzenden Backen …

Hast du Lust bekommen einen schwelgerischen, bunten, duftenden Text zu schreiben? Nimm dir drei bis fünf Minuten und schreibe Eindrücke auf, so üppig wie möglich. Wenn du erst einmal dabei bist findest du vielleicht Gefallen daran.  Dann nutze einige deiner Worte für einen Text.

Bei dem herrlichen Wetter kannst du deinen Schreibplatz möglicherweise auf eine Parkbank, das Straßencafe oder den Balkon verlegen.

 

Bildergeschichte

Die folgenden Bilder sind aus einem Buch, das ich beim Bücherturm in Wetzlar gefunden habe und wurde von Richard A. Bermann geschrieben. Es ist aus dem Jahr 1927.

Kreuzfahrt

Urwald (1)

Floss

Dazu ein paar Worte aus dem Text, die ihr mit verwenden könnt:

Promenadendeck, weißhaariger Herr, luxuriös, Orchideen, poröses Tongefäß, Moskitos, El Dorado, Geschichte, Reisebericht, Blasrohr, Wurzel, Lady Athill

 

Altmodisch

Ich lese gerade „Liebesgeschichten“, Reclam, von Arthur Schnitzler bis Hermann Broch. Interessant welche Worte in den Texten vorkommen, die wir heute wenig nutzen. Ich habe einige ausgesucht:

Fräulein, pressant (eilig, dringend), Automobil, Hügelfirst, dürres Gezweige, Tempo einhalten, emporflammen, Vetter, Exempel statuieren, Hut lüften, Herzenserregung, Mißhelligkeit, umflort, Geliebte(r) …

Nutze einige der Wörter für einen „altmodischen“ Text. Oder such dir einen Klassiker und stelle dir ein eigenes Wortset zusammen. Es macht Spaß einmal abseits des eigenen Weges zu gehen und in solchen besonderen Worten zu schwelgen.

 

Biografien

Ich lese gerade ein interessantes Buch über Biografien von Schriftstellerinnen aus den letzten zwei Jahrhunderten.

Ihre Erfahrungen und Erlebnisse geben Anlass zu einer Menge Inspiration und Ideen, die man in Geschichten verwerten kann. Manche Dinge sind einfach zu gut, als dass man sie sich ausdenken müsste – sie  sind schon fix und fertig, man muss sie nur noch aufbereiten und eine eigene Geschichte daraus machen.

Diese Frau

„Diese Frau trug den Namen (denk dir bitte einen aus) und war dreiundzwanzig Jahre alt, als sie zu dem Herrn des Hauses ging, zu dem Herrn des versteckten Hauses am Strom, und ihm ihre Dienste anbot.“

Nutze den Satz als Einstieg in deinen Text. Dieser Satz stammt aus der Geschichte „Die schöne Handschuhverkäuferin“ von Georg Britting. (Entdeckt in dem Reclam-Bändchen „Liebesgeschichten“)