Schreibe über Essen

Auszug aus dem Buch: Schreiben in Cafés, Nathalie Goldberg

mit meinen Anmerkungen 🙂

Wenn du Probleme beim Schreiben hast und nichts Vernünftiges zustande bringst, schreibe einfach über Essen. Essen ist etwas Handfestes, an das sich jeder erinnern kann … Wenn es ums Essen geht, wissen Menschen sehr genau, was sie mögen, und schreiben daher entschieden, konkret und offen.

Diane DiPrima, eine Dichterin der Beat Generation, schrieb ein Buch mit dem Titel „Dinners and Nightmares“. In der ersten Hälfte geht es ausschließlich um Gäste- und Einkaufslisten und Gerichte, die sie gegessen oder zubereitet hat. Eine wunderbare Geschichte handelt von einem Winter in New York, den sie nur mit Keksen überstanden hat. Ein großartiger Lesestoff, niemals langweilig. Schließlich isst jeder gern.

Schreibe über Gerichte und Nahrungsmittel, die du am liebsten magst (oder auch nicht, wenn du willst). Sei genau. Beschreibe detailliert. Wo hast du was gegessen? (Vielleicht am Ende des Textes ein Rezept) Mit wem warst du zusammen? Über was wurde geredet? In welcher Jahreszeit? Habst drinnen oder draußen gesessen? Was war das Beste, das du letzte Woche gegessen hast? (Und so weiter.)

Von dem Tisch, dem Käse, der blauäugigen Freundin gegenüber, dem Glas Wasser, der gestreiften Tischdecke, der Gabel, dem Messer, den weißen Tellern, dem Salat, der Butter und dem Glas blassen Rose kannst du abschweifen in Erinnerungen, Zeit, Raum, Gedanken, nach Israel, Russland, zu Religion, Bäumen und dem Gehweg. Dann hast du ein Stichwort, mit dem du anfangen kannst, etwas Konkretes direkt vor Augen.

Gut, einige von euch sind vielleicht nicht gesellig. Oder haben noch nie im Leben eine anständige Mahlzeit bekommen, du bist pleite und hast keine Freunde. Nun, dann fange einfach mit dem letzten ranzigen Käsebrot an, dass du in deiner unberührten Bruchbude mit den Küchenschaben geteilt hast. Das ist dein Leben; fang an damit. (Das ist nicht von mir 😉 ! Aber vielleicht haben einige von uns solche Mangelzustände schon erlebt? Dann erzähl was Hunger ist – wie fühlt es sich im Körper an – wie riecht ein Stück Brot, wenn man Hunger hat – wie fühlt sich ein Bissen auf der Zunge an? usw.)

Als ich das Kapitel das erste Mal las, dachte ich: so, ich soll etwas über Essen schreiben. Nach kurzer Überlegung fielen mir die Pfannkuchen meiner Oma ein und ihre Linsensuppe, die beste der Welt. Ihr Kaffee duftete so gut, dass mich frisches Kaffeearoma immer an sie erinnern wird. So wird es also demnächst ein paar Texte über Essen geben

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