Gemeinsam eine Geschichte/einen Roman schreiben

Mit zwei oder mehr Schreibern eine Geschichte auszudenken ist sehr inspirierend und spannend.

Durch die Ideen des/der anderen wird die Geschichte lebendig, erhält ungewöhnliche Wendungen, Charaktere. Der ein oder andere Bruch kann dem Text oder dem Schreibpartner neue Impulse geben, die allein am Computer nicht entstanden wären.

Das gemeinsame Schreiben kann auch eine Hilfe sein, wenn man in einer Schreibblockade steckt und einen Anstoß braucht, sich aus seinen Strukturen zu lösen.

Die Tipps beziehen sich auf ein Schreiber-Paar, obwohl sie ebenfalls für größere Gruppen gelten.

Bevor ich zu den allgemeinen und den Schreibtipps komme:

A. Überlegungen zum Umgang mit dem Schreib-Partner.

  1. Stimmt die Chemie?

Bei einem sensiblen Thema, wie Kunst und Kreativität, sollte das Miteinander unter den Schreibern stimmen. Es wäre schade, wenn ein vielversprechendes Schreibprojekt im Sande verläuft, weil sich die Schreibenden nicht einigen können.

  1. Respektvolles Miteinander (s.o.)

Ab und zu wird es vorkommen, dass es nicht ganz rund läuft. Ein Schreiber hat etwas übersehen oder etwas durcheinandergebracht. Bei einem Schreib-Paar muss es möglich sein konstrukive Kritik zu äußern, ohne dass der Partner gleich alles hinschmeißt. Heißt: zuhören, überlegen, darüber reden und einen freundschaftlichen Ton wahren!

  1. Durchhaltevermögen

Eine längere Geschichte gemeinsam zu schreiben erfordert Ausdauer. Man muss auf den Text des anderen warten. Vielleicht gehen seine Gedanken in eine andere Richtung, usw.

B. Tipps für das allgemeine Schreiben der Geschichte:

  1. Welches Ziel verfolgt die Schreibgruppe?

Ist das Ganze nur ein Spaßprojekt, um im Fluss zu bleiben? Oder wollt ihr einen längeren Text/Roman schreiben, der einer bestimmten Handlung und einem Zweck folgt?

Im ersten Fall ist nicht viel nötig – Hauptsache schreiben und regelmäßig weiterschicken. Im zweiten Fall muss relativ schnell eine gewisse Planung einsetzen, damit sich die Schreibenden nicht mit Suchen nach Details, Personen, Orten ectr. aufhalten müssen. (siehe Punkt C.)

  1. Genre festlegen

Das Genre sollte allen Schreibern gleichermaßen liegen. Wenn jemand nur Krimis schreibt, nützt es nichts, wenn die anderen eine Liebesgeschichte schreiben wollen, in der ums Verrecken keiner über die Klinge springt.

Das führt uns direkt zum dritten Punkt:

  1. Flexibel sein

Wenn man gemeinsam schreibt muss (!) man manchmal bereit sein, seine Gedanken denen eines anderen unterzuordnen oder anzupassen. Oder gegen seinen üblichen „Stil“ zu schreiben. Es kann viel Spaß machen, aus sich herauszugehen und nicht so verkopft zu schreiben. (Die meisten Schreiber haben ihre feste Vorstellung, wie eine Geschichte verlaufen soll, Happy End oder nicht, er kriegt sie oder nicht, der Held gewinnt oder nicht, usw.)

  1. Punkt 3 bedingt gute Kommunikation

Unklarheiten ansprechen, Kompromisse schließen, anerkennen, dass der Schreib-Partner vielleicht eine interessantere Idee hat. Oder man kann beide Ideen geschickt kombinieren.

  1. Humor (!)

Falls die Diskussionen doch mal hitzig werden – durchatmen und miteinander lachen. Denkt dran, ihr wollt schreiben und keine Freunde verlieren.

C. Tipps für das Schreiben an der Geschichte:

Aus dem Spaßprojekt ist also ernst geworden! Dann ist es an der Zeit ein paar „Regeln“ zu beachten, um das Schreiben für die Gruppe zu erleichtern.

Hierbei kommt es auch darauf an, welche Kategorie Schreiber ihr seid. Eher Intuitive, bei denen sich die Story aus dem Text entwickelt oder Durchorganisierte, bei denen das Ende schon nach dem ersten (Ab-)Satz feststeht? Falls beide Spezies in der Gruppe vertreten sind, sind Toleranz, Humor und gute Absprachen gefragt. Doch die ein oder andere Regel kann sicher beiden Schreiber-Typen helfen.

  1. Genre, Ort, Zeit, Erzählerstimme

Dinge, die vor dem ersten Satz festgelegt werden sollten. Dazu kann man die Hauptfiguren, den Widersacher festlegen. Außerdem Kapitelanzahl, Handlungsmuster usw. Allerdings kommt es dabei auf die Schreibspezies der Schreiber an! (Chemie! Flexibilität!)

  1. Inhaltsverzeichnis und Kapiteleinteilung

Sehr wichtig! Bei allen Texten, ab einer Länge von ca. 5 – 10 Seiten und mehr als zwei Story-Charakteren.

Kapitelüberschrift, Seitenzahl, und ein paar kurze, zusammenfassende Sätze.

Es wird sehr schwierig auf Seite 35 noch zu wissen, wie der Assi des Kommissars hieß, der auf Seite 7 vorkam. Es sei denn, er ist der heißeste Typ, der auf Gottes Erdboden wandelt.

Niemand hat Lust sich einen Wolf zu suchen, wenn er gerade im Flow ist!

  1. Personenliste

Genauso wichtig! (s.o.) Zwei Personen sind in einer kurzen Geschichte noch halbwegs zu händeln. Doch bei zwei (oder mehr) Schreibenden und einer wachsenden Story mit viel handelndem Personal ist das unmöglich.

  • Jede Person verfolgt ein Ziel (und wenn sie nur ein Glas Wasser will).
  • Jede Person hat eine Vergangenheit (Legende) und Eigenschaften (Höhenangst, Mut, Geiz, Neid usw.), die sie bestimmte Dinge tun lässt (Rache, Suche, Sucht, Verlieben, Flucht, die Welt beherrschen usw.).
  • Dazu kommt das Äußere, Alter, Ticks usw.
  1. Liste für Orte/ Artefakte usw.

Auch dafür können Listen angelegt werden, so sind alle Schreiber auf dem Laufenden.

  1. Plot

Die Gruppe kann den Verlauf der Geschichte festlegen. Dabei sollte genug Platz zur Improvisation bleiben. Während des Schreibens entsteht die ein oder andere Idee. Es sollte möglich sein, einen gewissen Spielraum zu haben, damit der Prozess wachsen kann und nicht zu steif wird. (siehe Kommunikation, Schreib-Typen)

  1. Ideenpool anlegen (Zettelkasten)

Auch in den besten Schreibkonstellationen kommt es vor, dass man vor einem Text sitzt und die zündende Idee bleibt aus.

Macht ein Brainstorming. Z.B.: schreibt jeder Teilnehmer 5 Möglichkeiten auf, wie es weitergehen könnte. Diese Notizen werden gesammelt und stehen als Ideenpool zur Verfügung. (Falls jemand eine Idee für einen späteren Zeitpunkt hat, ebenfalls notieren und weitergeben.) Allein durch das Brainstorming werden neue Gedanken angestoßen.

  1. Aufmerksam sein

Wenn der Text eintrifft, genau lesen. Plotlöcher, Logikbrüche, andere Ungereimtheiten können gewollt oder im Zuge des Flow übersehen worden sein. Manch unerklärliches Details wurden vielleicht vom Schreib-Partner angelegt, um später darauf zurückzukommen (Spannungsaufbau).

Andererseits kann es sein, er hat sich vom Flow hinreißen lassen und den „Fehler“ nicht bemerkt. Nachfragen! So kann das Malheur schnell ausgebügelt werden. (siehe Kommunikation und der Ton macht die Musik.)

  1. Textlänge

Nicht unwesentlich. Wie viel soll jeder Schreibpartner schreiben? Einen Absatz, eine Seite, ein Kapitel?

Anfangs mag es sein, dass ein Absatz genügt, doch wenn man erst im Schreiben ist und es fließt, kann es zu wenig sein. Neu verhandeln.

  1. Speziell für Gruppen:

Absprechen wer anfängt, und wer die Texte in welcher Reihenfolge bekommt. Wer schreibt die Listen?(s.o.) Vielleicht sollte eine Deadline pro Schreibeinheit gesetzt werden, damit niemand zu lange auf den Text warten muss?

Je größer die Gruppe, je mehr Organisation ist erforderlich. Diese Punkte sind bei zwei Schreibern leichter zu regeln.

Fazit:

Schreiben in der Gruppe kann neue Impulse schaffen, ist spannend und hält das Denken felxibel, auch für die eigenen Texte. Eine gute Möglichkeit eine Schreibblockade zu brechen. Man gewinnt neue Schreibpartner. Es trainiert Durchhaltevermögen, Kommunikation und Scheibfähigkeit.

Und das Allerwichtigste:

Es macht unglaublich viel Spaß!

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7 Kommentare zu “Gemeinsam eine Geschichte/einen Roman schreiben

  1. Da hast du eine tolle Zusammenstellung gemacht. Ich denke, wenn man diese Punkte beherrscht, sollte es auch bei Anderen mit „Gruppenarbeit“ gut funktionieren.
    Wichtig ist dabei immer, den Spaß daran im Vordergrund zu halten.

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