Der Verräter – fünf Typen

Theophrast, Philosoph, geboren ca. 372 v.Chr. schrieb eine kleine Charakterkunde, in der er 30 verschiedene Charaktere beschreibt. Darunter: der Geizige, der Abergläubische, der Eitle, der Taktlose usw. Natürlich wirken die Beschreibungen in gewisser Weise sehr schwarz, weiß – und doch hat sich in den Grundzügen kaum etwas an den Beschreibungen des Charakters geändert. (Zu erhalten bei Reclam, Theophrast – Charaktere, Griechisch/Deutsch)

Ein Charakter, der uns oft in Büchern begegnet ist der Verräter. Wolfgang Schmidbauer, Psychologe, beschreibt in einem seiner Bücher fünf verschiedene Typen des Verräters.

1. Der Verräter aus Überzeugung.

Meistens ein Mensch, der sich zu wenig anerkannt fühlt, weil er glaubt, die reine Pflichterfüllung reiche aus, um einen Menschen liebenswert zu machen. Er hat selbst nicht viel Spaß am Leben und missgönnt anderen den Spaß. Er hält sich ängstlich an alle Vorschriften und lässt seine versteckte Wut über diese Anpassung an allen aus, von denen er denkt, dass sie solche Vorschriften missachten. Er denunziert offen, wenn die Opfer schwächer sind, als er – in anderen Fällen denunziert er versteckt. Er erfüllt seine „Bürgerpflicht“. Vorherrschend: Neid.

2. Der Verräter aus Gewinnsucht.

Ein vielseitig verwendbarer Mensch von skrupelloser Intelligenz, der für Geld tut, was das Risiko wert ist. Es gibt dort mehr Denunzianten, wo es mehr Lohn für den Verrat gibt. Vorherrschend: Gier.

3. Der Verräter aus Geltungsbedürfnis.

Er ist eifersüchtig auf Leute, die mehr Aufmerksamkeit genießen, als sie seiner Meinung nach verdienen. Während er weniger bekommt, als ihm seiner Meinung nach zu steht. Es ist sein Triumph, Schwäche zu entdecken und preiszugeben. Er beschert sich selbst und allen, die seinen Verrat goutieren, ein Stück narzisstischer Glorie. Er erhebt sich über sein Opfer in dem er pikante Geschichten weitererzählt. Die Medien sind voll davon. Vorherrschend: Narzissmus.

4. Der gespaltene Verräter.

Er verrät, was er liebt. Der Mann/die Frau mit zwei Gesichtern. Er wirkt glaubwürdig, wenn er sich seinem Opfer zuwendet. Er setzt sich für den Freund ein, den er hintergeht. In seiner Lust an der Teilhabe der Autorität, mischt sich eine geheime Lust am Protest gegen die Autorität. Es sind oft Menschen, die etwas zu vertuschen haben – Ehebruch, Betrug, Fahrerflucht usw. – und die von der Autorität (z.B.: Staat und Spitzel) mit Verrat bedroht werden, sollten sie nicht verraten. Sie tun anderen, was sie selbst fürchten. Sie werden von der Autorität und dem Opfer verachtet. Vorherrschend: Angst und Illusion der Hilfe.

5. Der Verräter aus Schuldgefühl.

Er sucht weniger Vergeltung, als Entlastung. Er verlagert seinen Konflikt nach außen und glaubt daran, dass ein magischer Moment auftritt, der seinen Verrat ungeschehen macht, wenn er gesteht. Er verrät zum Beispiel seinen Freund an, der eine Affäre hat, während er selbst die Affäre hat und gerade deswegen Probleme hat, weil er aufgeflogen ist. Oder die Frau, die die Affäre, der Frau des Geliebten mitteilt, weil er sie für eine andere verlässt. Vorherrschend: Entlastung, Erlösung, Rache.

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6 Kommentare zu “Der Verräter – fünf Typen

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